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Hölle und Himmel

Hölle und Himmel

Regisseur: Stanisław Różewicz

1966

91 min.
color

Entgegen den Andeutungen im Titel beschäftigt sich „Hölle und Himmel“ ausschließlich mit rein weltlichen Angelegenheiten. Für Stanisław Różewicz, einen der führenden Realisten des polnischen Kinos, sind das Jenseits lediglich Produkte menschlicher Fantasie, die eine trügerische Hoffnung auf eine bessere Existenzform nach dem Tod bieten. Der Regisseur behandelt das Leben nach dem Tod somit konventionell – als erzählerischen Vorwand, um Reflexionen über das Verhältnis des Menschen zur irdischen Welt anzustellen. Trotz der komödiantischen, stellenweise grotesken Tonalität ist der Film als philosophisches Gleichnis mit einer klaren Botschaft zu lesen, die dem epikureischen carpe diem nahesteht: Das Leben ist kurz, daher lohnt es sich, seine Reize zu genießen und sich nicht von irrationalen Illusionen verführen zu lassen. Verkörpert wird diese Haltung durch die Figur des Großvaters, in dem man leicht das Alter Ego des Regisseurs erkennen kann. Nicht fehlen dürfen auch die für Różewicz typischen moralischen Akzente – besonders in der Szene des „detaillierten Gerichts“, das die wahren Motive und Gedanken der Charaktere offenlegt. Unter der humorvollen Oberfläche verbirgt sich nämlich eine pessimistische Menschenvision, geprägt von Gier, Egoismus und Verratstendenzen. Ausgangspunkt der Handlung ist die Situation, in der der Regisseur kommt, um das versprochene Drehbuch abzuholen, dabei aber nur lose Notizen, Skizzen und Gesprächsfragmente erhält. Dieses fragmentarische Material diente jedoch zur Entstehung eines Films, dessen Protagonisten unter anderem der pensionierte Beamte Ignacy Zasada, sein neunjähriger Enkel Piotruś, Stefan – ein Beamter, der für ein Auto zum Verbrechen fähig ist – sowie die verführerische Kika sind. Die mit dem Bus reisenden Figuren verunglücken bei einem Unfall und werden vor ein detailliertes Gericht im Jenseits gebracht. Nach der Verhandlung wird Piotruś, belohnt für seine heldenhaften Träume, in den Himmel aufgenommen, der Großvater aber in die Hölle. Schnell zeigt sich jedoch, dass dort ebenfalls irdische Zustände herrschen: Bürokratie, Chaos und Kleinlichkeit. In der Hölle fehlt Brennmaterial, im Himmel herrschen Gerüchte, und Seelen warten jahrelang auf Urteile. Schließlich kehren Großvater und der vom Engelsgesang gelangweilte Piotruś dank der Einfallsreichtum des Jungen wieder zur Erde zurück. Der Film endet mit einer ironischen Pointe, die betont, dass Sinn und Wert des Lebens nicht in der Verheißung des Jenseits liegen, sondern in der alltäglichen, unvollkommenen, aber einzigen realen Welt.

TitelHölle und Himmel
GenreFantasy,
Komödie
SchauspielerMarta Lipińska,
Wiesław Michnikowski,
Kazimierz Opaliński,
Andrzej Szczepkowski,
Irena Szczurowska
Produktion/StudioZespół Filmowy Rytm
KameraarbeitKurt Weber
DrehbuchKornel Filipowicz,
Tadeusz Różewicz
SchnittAlina Faflik
TonJan Czerwiński
MusikWojciech Kilar

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